W201 · 190E
Vorproduktion 1981–1982

Vorserie, getarnte Erprobungsfahrzeuge

Bevor der erste Serien-W201 Sindelfingen verließ, fuhren handgefertigte Vors Serienfahrzeuge stark getarnt auf öffentlichen Straßen in Deutschland. Dabei galt die übliche Mercedes-Praxis: Klebebandlinien veränderten die optischen Proportionen des Autos, Karosserieteile wurden modifiziert oder abgepolstert, um Fotografen zu verwirren, und die Fahrzeuge fuhren eingereiht in den normalen Verkehr, um reale Kilometerleistungen zu sammeln. Das Vorserienprogramm lief von Herbst 1981 bis zur öffentlichen Enthüllung im September 1982 in Frankfurt. Etwa 100 Vors Serienfahrzeuge wurden ab Februar 1982 vor Beginn der Serienproduktion montiert, um vor der Markteinführung einen Bestand aufzubauen und den Lieferrückstau zu verringern, der Käufer neuer Mercedes-Modelle in der Vergangenheit frustriert hatte.

Keines der getarnten Erprobungsfahrzeuge befindet sich in öffentlichen Sammlungen. Ihr Verbleib ist nicht dokumentiert.

Konzept ca. 1979–1981

Studie mit kompaktem, verkürztem Radstand

Während des W201-Entwicklungsprogramms untersuchte Mercedes eine nochmals verkürzte Version der Plattform, im Wesentlichen ein auf der mechanischen Architektur des W201 aufbauendes Stadtauto mit deutlich reduziertem Radstand und kürzerer Gesamtlänge. Das Konzept des Kompakten adressierte ein Marktsegment unterhalb des Serien-190ers, bei dem die Raumökonomie die primäre technische Herausforderung darstellte. Die Fünflenker-Hinterachse, die für das W201-Hauptprogramm entwickelt worden war, war ein entscheidender Erfolgsfaktor: Ihre kompakte Geometrie ermöglichte mehr Innenraum pro Einheit Außenlänge als jede der getesteten alternativen Hinterachskonfigurationen. Die Kompakt-Studie ging nicht in Serie. Die minimalen praktischen Abmessungen der W201-Plattform wurden durch die Fünflenker-Geometrie und die von den Mercedes-Sicherheitsstandards geforderte Knautschzone bestimmt.

Prototyp(en) verbleiben im Mercedes-Archiv. Nicht öffentlich ausgestellt.

Forschung ca. 1980–1982

Elektro "E", Studie für einen elektrischen Antriebsstrang

Mercedes nutzte die W201-Plattform in den frühen 1980er Jahren als Versuchsträger für die Erforschung elektrischer Antriebe. Der Elektro "E", eine interne Bezeichnung und kein geplanter Modellname, ersetzte den Benzinmotor durch einen Elektromotor und einen Batteriesatz, der so dimensioniert war, dass Reichweite und Leistung innerhalb der Platzverhältnisse des W201 bewertet werden konnten. Der Forschungskontext waren die Ölkrise der 1970er Jahre: Europäische und amerikanische Vorschriften drängten die Hersteller dazu, die Leistungsfähigkeit alternativer Antriebssysteme zu demonstrieren. Die Elektro-Forschung von Mercedes erstreckte sich in den frühen 1980er Jahren über mehrere Plattformen; der W201 war eines von mehreren verwendeten Fahrzeugen. Der Elektro 'E" war ein Forschungswerkzeug und kein Serienkandidat. Die damalige Batterietechnologie brachte Fahrzeuge mit begrenzter Reichweite, hohem Gewicht und langen Ladezeiten hervor, wodurch eine Serienproduktion zu dem Preisniveau, das der 190E einnahm, unrentabel wurde.

Forschungsfahrzeug. Aktueller Standort nicht öffentlich bestätigt.

Konzept ca. 1981–1983

Cabriolet, offener Prototyp

Während des Entwicklungsprogramms wurde ein Cabrio-Aufbau auf Basis der W201-Plattform evaluiert. Der Cabrio-Prototyp ging der Frage nach, ob eine Verdeck-Variante von der Serienlimousine abgeleitet werden konnte, ohne die Karosseriestruktur grundlegend neu zu konstruieren. Die offene Ableitung einer Limousine erfordert eine erhebliche Versteifung von Boden, Schwellern und A-Säulen, um den Verlust des Beitrags des Daches zur Karosseriensteifigkeit zu kompensieren. Im Falle des W201 führten die kompakten Außenabmessungen und die spezifische Geometrie der Raumlenker-Hinterachse zu baulichen Einschränkungen, die ein serienreifes Cabrio strukturell schwierig machten, ohne die Sicherheitsleistung oder die Fahreigenschaften zu beeinträchtigen, die das Auto auszeichneten. Die Cabrio-Studie ging nicht in Serie. Mercedes' Angebot an offenen Fahrzeugen in der Ära des W201 blieb der SL (R107), ein wesentlich größeres und teureres Fahrzeug. Ein echtes Cabrio auf W201-Basis wurde von keiner Seite angeboten.

Prototyp existiert. Vermutlich in der Mercedes-Oldtimersammlung.

Ein Hinweis zur Dokumentation

Warum so wenig bekannt ist

Mercedes-Benz hat Prototypen und Konzeptfahrzeuge in den 1970er und frühen 1980er Jahren bei Weitem nicht mit der Sorgfalt öffentlich gemacht wie heute. Die Vorserienfahrzeuge, die Kompakt-Studie, das Elektro-Forschungsfahrzeug und der Cabrio-Prototyp waren interne Entwicklungswerkzeuge. Einige tauchten Jahre später kurz in Mercedes-Publikationen auf; keines wurde während der Laufzeit des W201-Programms der Öffentlichkeit gezeigt. Die detaillierteste deutschsprachige Dokumentation ist auf mb190.de zu finden, wo über zwei Jahrzehnte hinweg zeitgenössische Fotos und technische Daten zusammengetragen wurden. Englischsprachige Primärquellen sind praktisch nicht vorhanden. Wenn Sie über Dokumentationen, Fotografien oder Kenntnisse über noch existierende Prototypen verfügen, nehmen Sie Kontakt auf.